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In memoriam Alfred Pauser

Ich weiß nicht mehr, wann und wo ich Fredi kennen lernte. Ich dürfte ihm als Tragwerksstatiker in meiner Zeit bei Fa. Mayreder aufgefallen sein. Meine erste konkrete Erinnerung an ihn stammt aus 1981, als ich schon ordentlicher Professor war, ihn in der Aula der TU traf und er zu mir sagte: „Es muss schon ein schönes Gefühl sein, hier lehren und forschen zu dürfen.“ Das war ihm kurz darauf auch gegönnt und es entwickelte sich zwischen uns eine große Sympathie füreinander. Sie war so groß, dass ich bei der Feier zu seinem 60. Geburtstag gegen seinen Willen durchsetzte, als einziger ein Gedicht über ihn in Hexametern [sic!] vortragen zu dürfen. Er war nie auf Ehrungen aus, bekam sie aber.

2010, als wir schon beide im (Un-)Ruhestand waren, traf ich ihn vor dem Haupteingang der TU und er erzählte mir davon, dass er in einem Manuskript „Glauben ist leichter als Denken“ eine persönliche Standortbestimmung zum katholischen Glauben versucht habe. Als ich fragte, ob ich es lesen könne, sandte er es mir mit der Widmung „Meinem Freund Wolfgang Oberndorfer, Dein Fredl“. In diesem Manuskript analysierte er aus der Sicht eines aufgeklärten Naturwissenschafters Glaubenslehre und Glaubensinhalt der katholischen Kirche, nicht ohne sorgfältig, ja fast pedantisch auf verlässliche Quellen zurückzugreifen und Magie, Wunder, Unsinnigkeiten und Anmaßungen in der Lehre bloßzustellen. Für mich bedeutete die Lektüre ein Erdbeben für meinen Katechismusglauben und den Beginn einer gründlichen Auseinandersetzung mit meinen christlichen Glaubensvorstellungen. Während Fredi sich auf Analyse und Kritik beschränkte, ging es mir, darauf aufbauend, darum, die theologische Bedeutung, die hinter all den unakzeptablen Glaubenssätzen stand, herauszuarbeiten und als kultur- und zeitunabhängig zu formulieren. Wir saßen oft zusammen und neidlos anerkannte ich seine Pionierleistung in der Analyse und Kritik und er meine theologischen Interpretationen, die ihn aber eher weniger interessierten. Mein Ziel war, einen christlichen Glaubensinhalt für Intellektuelle zu formulieren, der mit den Naturgesetzen und der Vernunft in Einklang steht und sich auf fünf Kernsätze reduzieren lässt, wobei ich mir bewusst war, das das nur für den fides quae (Glaubensinhalt) und nicht für den fides qua (Glaubensakt) gelingen kann.

Fredi, so wurde die Begegnung mit Dir zu einem Eckstein in der Entwicklung meines Glaubens gegen Ende meines Lebens. Danke und Fiducit!

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